Fabian Hagenauer: Madagaskar

Fabian Hagenauer: Madagaskar

Reisen und Klettern

Ein Bericht von Fabian Hagenauer

Bilder: © Fabian Hagenauer

La Grande Île „die große Insel“

So nennen die Madagassen ihre Heimat, 1&1/2 mal größer als
Deutschland und damit der viertgrößte Inselstaat der Welt. Madagaskar liegt im
Indischen Ozean, östlich von Afrika und südlich des Äquators, ein Land mit ca.
22 Millionen Einwohnern.
Madagaskar ist nicht unbekannt in der Kletterwelt. Bilder des gewaltigen
bis zu 750 Meter hohen Wandmassivs mit seinen exotischen Farben und eine
der schwersten Multipitchrouten der Welt „Tough Enough“ (400m, 8c) reizte
uns sehr. Also warum auch nicht, zusammen mit meinem Kletterfreund Roland
Hemetzberger buchten wir unseren Flug und zwei Wochen später ging es auch
schon los.
Nach ermüdenden 14 Stunden Flug landeten wir um Mitternacht in der
Hauptstadt „Antananarivo“. Ob uns jemand vom Flughafen abholen würde,
blieb bis zur Ankunft eine spannende Frage, denn die Verständigung mit den
Französisch sprechenden Campbetreibern war nicht ganz einfach, so dass wir
bis kurz vor dem Abflug noch zugange waren, unseren Transfer zum Camp zu
organisieren. Aber Gott sei Dank hat alles geklappt und nach einer kurzen Nacht
im Hotel ging es am nächsten Morgen auch schon weiter. Ein Fahrer holte uns
zusammen mit zwei weiteren Kletterern, einem neuseeländisch-amerikanischen
Pärchen ab.
Die Fahrt mit einem Kleinbus dauerte dann fast nochmal so lange wie
der Flug. Es ging durch chaotische Städte, kleine Dörfer und Offroadstraßen,
bis wir spät nachts, nach etwa 13 Stunden durchgerüttelt und hundemüde unser
Ziel erreichten. Auf unseren Campingplatz namens „Tsarasoa“ wurden wir
gleich herzlich in Empfang genommen. Hungrig wie die Wölfe fielen wir über
die gebratenen Hühnchen mit Reis und Gemüse her. Unser „Bungalow“ war
eine kleine, runde Lehmhütte mit Strohdach. Mir gefiel der Gedanke, dass dies
unser Zuhause sein würde für die nächsten drei Wochen.
Am nächsten Morgen dann war es soweit. Die Sonne ging auf und wir
konnten endlich das Bergmassiv bestaunen. In Grün, Braun, Gelb, Schwarz
leuchtete uns die Granitwand entgegen und entlohnte unsere Strapazen für die
8.300 Kilometer weite Reise. Am ersten Tag lag uns die lange Anreise noch in
den Knochen und wir wollten uns den Berg erstmal durch eine Wanderung von
Nahem anschauen.

 

„TSARANORO“

So heißt das Hauptmassiv. Der Felsen ist ein sehr rauher Granit. In vielen
Seillängen klettert man nur auf Reibung ohne Griffe und ohne Tritte. In
den steileren Seillängen ist ebenfalls eine sehr technische Kletterei gefragt,
allerdings meistens an Leisten. Man braucht einige Tage, um sich an den Felsen
und die Technik zu gewöhnen. Für die Haut sind die scharfen Leisten, die man
Seillänge für Seillänge halten muss, eine extremste Beanspruchung. Ich
probierte es mit Antihydral, einer Creme, die den wuchs von Hornhaut
beschleunigt und das funktionierte auch. Meine Haut war an den Spitzen
dermaßen dick und trocken, dass sie sich anfühlte wie Glas.
Die Bewährungsprobe kam dann in der markanten 750 Meter hohen
Wand. Die Tour ging kerzengerade hoch, bestand nur aus scharfen, dünnen
Schuppen und jede Seillänge war an die 50 Meter lang. Ich wollte der Tour eine
erste Wiederholung anbringen. Die Schlüsselseillänge der Tour ist eine 7c,
allerdings auf 700 Meter. Als wir dort auf Durchstieg ankamen, waren wir schon
12 Stunden unterwegs und die Sonne wurde schnell immer dunkler. Die Zeit lief
uns davon. Beim Onsightversuch fiel ich dann das erste Mal des Tages ins Seil.
Nun war es komplett dunkel und die letzte 7a+ wurde mit der Stirnlampe
ausgestiegen. Am Top waren wir überglücklich, es endlich geschafft zu haben.
Rotpunkt oder nicht, es war ein super Tag. Allerdings wartete noch ein langer
Abstieg auf uns. Auch meine Haut war nun am Ende. Ich hatte zwar keine
Probleme beim Klettern, aber in der trockenen Haut hatten sich jetzt tiefe,
blutige Risse gebildet, die wohl nicht so schnell zuheilen würden. Gut, dass wir
diese Tour am Ende unseren Trips angegangen sind.

Nahe des Nationalparks „Andringitra“, nicht weit weg von unseren
Camp steht ein Berg namens „Dondy“. Immer gegen Nachmittag wird er von
Wolken umschlungen und bei Sonnenuntergang fängt er das letzte Licht ab. Wir
nahmen uns vor, da rauf zu gehen und das taten wir auch. Wir starteten sehr früh
am Morgen, um beim Anstieg noch angenehme Temperaturen zu haben. Wir
hatten großen Spaß dabei, uns einen Weg zum Gipfel zu suchen. Üblicherweise
sind die Wege angelegt und markiert. Hier allerdings nicht, das machte es umso
interessanter. Gegen Mittag schafften wir es zum Gipfel und hatten eine tolle
Aussicht auf die anliegenden Täler und Berge. Es war eine gelungene
Abwechslung von der ständigen Kletterei.
Mit Sicherheit eines unserer Highlights war die Begehung einer der
Klassiker hier „Out of Africa“ (480 Meter, 7a) . Wir kletterten die Tour
zusammen mit unseren zwei neuen Freunden „Lou und Elli“
In einem großen Haulbag nahmen wir Schlafsäcke, Essen, Schuhe und
Trinken mit. So konnten wir am Top biwakieren und erst am nächsten Tag den
Abstieg antreten. Die Tour ist wirklich wunderschön zum Klettern, es machte so
Spaß, sich ohne Kraftaufwand sich auf den leicht geneigten Platten zu bewegen.
Eine echte Genusstour, der schwere Haulbag bremste uns ein wenig, was aber
nicht schlimm war. Im letzten Licht des Sonnenuntergangs stiegen wir dann
glücklich am Top aus und hatten einen weiteren guten Tag in der Wand. Nun
mussten wir Ausschau nach einem Schlafplatz halten. Um nicht ungeschützt zu
schlafen, suchten wir nach einem geeigneten Platz und dann fanden wir die
perfekte Biwakhöhle. Da es nachts immer recht kalt wurde und wir ein
Feuerzeug vergessen hatten, waren wir umso glücklicher, als in unserer Höhle
tatsächlich ein Feuerzeug lag, das auch noch funktionierte! Mit dem Lagerfeuer
wurde es noch gemütlicher, jetzt konnten wir uns unsere Nudeln in Gefriertüten
und den Rum in der Einwegflasche schmecken lassen.

Alles in allem war es ein super Trip. In unserem Camp „Tsarasoa“ kann
man es sich wirklich gutgehen lassen. Die Leute sind sehr nett, es wird immer
genügend gutes Essen zubereitet so dass wir uns jeden Tag den Bauch voll
schlagen konnten. In den drei Wochen haben wir viele neue Bekanntschaften
gemacht und einige interessante Leute kennengelernt. Das Land ist sehr
beeindruckend und schön. Nach einem ersten Kulturschock empfanden wir die
Menschen als sehr freundlich, die sich freuen, wenn Touristen ihr Land
besuchen.
Es ist wirklich nur zu empfehlen dieses abwechslungsreiche, freundliche
und schöne Land zu bereisen.