Jochberg – Nordwand am Kochelsee – 27.1.

Jochberg – Nordwand am Kochelsee – 27.1.
von Daniel

– Solo in Eis, Fels und Schnee –

Gleich über dem Kochelsee steht der Jochberg, 1565 m, mit seiner verhältnismäßig imposanten Nordwand.

Dort sein im Winter ist wie Klettern in Arco, nur ohne Sonne und Cappucino. Der Zustieg und Abstieg dagegen ist recht entspannt.

Verhältnisse hats sehr selten. Wenn Eis aber da ist, muss man das nutzen! 1 Tag vorm Föhn musste ich also nachmittags schnell einsteigen…

Ausgangspunkt: Parkplatz an der drittletzten Kehre der Kesselbergstraße, 800 m

Es gibt viele Routen, googelt einfach mal, da wird man fündig!

Ich will den „Linken Gully“ gehen, für mich die schönste und längste Linie gleich unter der gelben Ausbruchszone in der Mitte der Wand.

„WI 3-4, 500 m – zwischendurch Stapfgelände“

Der Zustieg wird anstrengend: Bis auf eine einzige alte Schneeschuh Spur ist nichts zu sehen. Zum Glück habe ich auch Schneeschuhe, und sinke trotzdem im tiefen Schnee ein…

Nur für diese Route folgt man dem verschneiten Forstweg bis zu einem großen Bachbett:

Man soll dem Bachbett zum Einstieg folgen – das tue ich. Und es ist schwer, denn im Bachbett liegen viele große Steine und verstecken Hohlräume unter dem Schnee, die man oft durch Einbruch entdeckt.

Besser: 30m vor dem Bachbett rechts im Wald auf, und immer parallel zum Bachbett im Wald aufsteigen, bis man ungefähr während der Hälfte des Weges ins Bachbett wechselt.

Die alten verwischten Sputen gehen genau hier hoch, die Schritte sind allerdings riesig, ich gehe 2 Schritte für jeden meines Vorgängers. War das ein Yeti?

Oben wartet der Einstieg:

Und los gehts: Spuren im tiefen Schnee mit Steigeisen und Rucksack macht keinen Spaß ohne Kondition. Man hangelt sich an Fels und Eis entlang, hauptsache nicht in tiefem Schnee.

Am Anfang der Route braucht man keine Seilsicherung, sichern kann man eh kaum. Steil ist es nicht.

Oben kommt das 1. von 2 Steilstücken, es ist länger als es aussieht – ca. 30-35m.

Das erste Mal will ich eine solche Wand solo gehen, und trotzdem an den steileren Stellen sichern.

Beim tiefen Schnee war der größere Rucksack schon eher hinderlich, und abwechseln kann man sich beim Spuren nicht.

Da es in einer solchen Wand i.d.R. auch keine Standhaken gibt, dauert alles ein bisschen länger.

Das Klettern macht Spaß, das Eis ist an manchen Stellen nicht sehr dick, aber okay.

Am letzten Stück hole ich mir nach nun 37 Eisfällen und Nordwänden das erste Mal eine fette Eisdusche!

Der einzig gute Weg verläuft über einen kleinen „Eisbach“, nach einer halben Minute sind meine beiden Arme triefend nass. Normalerweise sollte man jetzt durchziehen und raus aus dem Wasser.

Solo geht das nicht ganz so schnell und in diesem Moment klemmt das Seil, 30m unter mir. Ich habe das Seil nicht sauber vorbereitet…

So oder so muss ich mich also zurückziehen… die gepflegte Eisdusche beschleunigt meinen Entschluss.

 

Abseilen an der Abalakov und runter gehts. Bis unten sprudelt das Wasser glücklich über das Seil auf meinen Bauch und durchnässt auch diesen, unter einer 3-Lagen Hardshell Hose.

Es wird dunkel, ich habe nur 1 Stirnlampe, keine Wechselsachen… ich bin „nur solo“ – ich steige ab.

Auf jeden Fall habe ich wieder viel gelernt…

Nachts im Wald laufe ich über einen Wildpfad. Unter meinen Füßen finden sich immer mehr Wildspuren. Irgendwann sind nur noch frische Spuren um mich herum.

Aber meinem guten Gefühl kann nichts etwas anhaben –

es tut gut, auch mal sicher umzukehren. Aber vielleicht werde ich auch nur älter…